Nanjing – Die alte Hauptstadt Chinas entdecken

Vielen Deutschen ist die Stadt Nanjing im Osten Chinas kein Begriff. Diejenigen, die schon einmal von Nanking – wie die Stadt in manchen Umschriften auch geschrieben wird – gehört haben, kennen Sie traurigerweise oft nur aufgrund ihrer Rolle im Zweiten Weltkrieg. Denn im Winter 1937/38 verübten japanische Truppen nach der Eroberung der damaligen Hauptstadt der Republik China eines der schlimmsten Massaker des Zweiten Weltkrieges. In den etwas sechs Wochen, die das Blutbad andauerte, ließen mehr als 300.000 Chinesen ihr Leben und große Teile der Stadt wurden zerstört. Das Nanjing-Massaker gelangte besonders in Deutschland in das öffentliche Interesse, als 2009 der Film John Rabe in die Kinos kam, der die Erlebnisse eines in Nanjing lebenden deutschen Kaufmanns zur Zeit des Massakers erzählt. Die wenigsten kennen die Acht-Millionen Metropole im Yangtse-Delta als lohnenswertes Reiseziel, das eine Fülle an Kultur, Geschichte und Aktivitäten bereithält. Das werden wir an dieser Stelle versuchen zu ändern.

Die meisten China-Reisenden betreten die Volksrepublik über die Hauptstadt Beijing oder die Megacity Shanghai und können von der schieren Größe und dem hektischen Leben beider Städte schnell überrollt werden. Nimmt man aber die etwa 1,5 Stunden Zugfahrt von Shanghai oder einen Inlandsflug von Beijing auf sich, erwartet den Reisenden in Nanjing ein deutlich ruhigeres Stadtbild. Zwar sind auch in Nanjing eine Menge Autos und Fußgänger gleichzeitig auf den Straßen unterwegs, die Menge ist aber nicht mit dem Aufkommen Beijing und Shanghais zu vergleichen. Zudem ist Nanjing eine – besonders für chinesische Verhältnisse – sehr grüne Stadt. Es erwarten einen also nicht die viel zitierten grauen Betonschluchten Chinas, in deren Mitte kein einziger Baum steht. Stattdessen ist Nanjing malerisch am Zijinshan, dem Purple Mountain gelegen und verfügt über eine wunderschöne Seen-Landschaft in der Stadtmitte, die ausgiebig mit dem Boot befahren und von Spaziergängern inspiziert wird. Aber auch das allgemeine Stadtbild ist von Bäumen und kleinen Parks geprägt, so dass man trotz der enormen Größe Nanjings nicht das Gefühl bekommt, in einem Großstadt-Moloch angekommen zu sein.

Einen wesentlichen Beitrag zum ruhigen Lebensgefühl Nanjings leisten die zahlreichen Relikte aus Nanjings Jahrtausende alter, bewegter Geschichte. Zum absoluten Pflichtprogramm bei einem Besuch der Stadt gehören die wunderschön restaurierte Stadtmauer aus der Ming-Dynastie, der Jiming-Tempel mit seiner beeindruckenden Pagode und das gesamte Gebiet des Purple Mountain. Letzterer bietet alleine genug zu sehen für einen Tagesausflug. Als Highlights sind hierbei das opulente Grabmal Sun Yat-sens, dem ersten Präsidenten der Republik Chinas, der Linggu-Tempel und das Purple Mountain Observatorium zu nennen.

Neben seiner Kultur und Geschichte bietet Nanjing aber auch Sportfans eine Menge. So ist Nanjing die Heimat des erfolgreichen Fußball-Erstligisten Jiangsu Sainty, der seine Heimspiele im Olympia-Stadion im Süden der Stadt austrägt. Im Olympia-Komplex werden 2014 zudem die zweiten Olympischen Sommerspiele für Jugendliche abgehalten werden. Ein Anlass für den sich ein Besuch der Stadt in jedem Fall lohnt. Neben dem Olympia-Stadion findet sich in Nanjing noch das Wutaishan Sports Center, das mit einer Kapazität von 35.000 Plätzen ebenfalls ein häufiger Austragungsort für Sportevents und Konzerte ist. Hier trägt außerdem der erfolgreiche Jiangsu Nangang Basketball Club seine Spiele aus.

Fans von Party und Nachtleben werden in Nanjing ebenfalls voll auf ihre Kosten kommen. Unweit des Konfuzius-Tempels, entlang des Qinhuai-Flusses findet sich ein großes Gebiet in dem man auf Nachtmärkten und in zahlreichen Restaurants und Bars die Nacht zum Tag machen kann. Wer lieber tanzen gehen möchte, der sollte sich in das Stadtzentrum, Xinjiekou, aufmachen oder ein Taxi zum 1912 District nehmen. Dort erwarten den Besucher eine Vielzahl von hochklassigen Bars und Clubs, in denen der Standard derselbe wie in westlichen Metropolen ist. Backpacker und Studenten werden sich außerdem im Gebiet der Shanghai Road, nahe der Universität Nanjing wohlfühlen, in dem die Dichte an westlich-orientierten Bars, die vor allem ausländische Studenten anlocken, sehr hoch ist.

Wer sich an Nanjing satt gesehen hat, kann außerdem das gut ausgebaute und hochmoderne Schienennetz der VR China nutzen um Ausflüge nach Shanghai, zur „Seidenstadt“ Suzhou oder zum bei Chinesen extrem beliebten Urlaubsziel Hangzhou machen. Die Fahrten dauern dabei mit den brandneuen Hochgeschwindigkeitszügen selten über zwei Stunden – Fahrtgeschwindigkeiten von bis zu 300 km/h machen es möglich!

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