Die Nintendo Wii U – Wir haben sie angetestet!

Als die  Nintendo Wii U angekündigt wurde, waren die Reaktionen verhalten. Die Idee hinter dem neuen Controller überzeugte niemanden so richtig und niemand verstand, wofür das „Nintendo iPad“ so richtig gut sein sollte. Obendrein versprach die Wii U keine Quantensprünge in Sachen Grafik sondern eher ein behutsames Update der in die Jahre gekommen Grafik der ersten Wii. Aber wenn Nintendo dann zur Präsentation einlädt, erscheinen wir natürlich trotzdem ohne zu zögern. Zwar gingen wir mit gemischten Gefühlen, aber in den wenigen Stunden gelang es der neuen Konsole dann doch, uns davon zu überzeugen, dass man bei Nintendo schon wieder auf den richtigen Pfaden wandelt. Das lag vor allem an ein paar Spielen, die den neuen Controller auf großartige Weise ausnutzen. Im Folgenden wollen wir also die Konsole sowie die Spiele für euch unter die Lupe nehmen.

Die Konsole
Die Wii U ist ein kleines bisschen größer als die alte Wii,  dafür aber deutlich dekorativer gestaltet. Es scheint, als habe man sich bei Nintendo ein Beispiel an Apple genommen. Da die Wii U schließlich oftmals zentral im Wohnzimmer untergebracht werden soll, darf Sie ruhig ein bisschen hübscher sein als ihr Vorgänger, finden wir. Bezüglich Grafik und Leistungsfähigkeit des Gerätes ist es wohl noch etwas zu früh für ein endgültiges Urteil. Natürlich ist die Grafik sehr viel besser als die der alten Wii, dennoch bewegten sich viele Spiele grafisch höchstens auf dem Niveau der PS3, die inzwischen ja auch schon einige Jahre auf dem Markt ist. Jedoch waren die von uns angespielten Spiele allesamt Demoversionen, insofern kann sich grafisch auch noch etwas bis zu den finalen Versionen tun.

Der Controller

Der neue tabletartige Controller ließ uns mit gemischten Gefühlen zurück. Zunächst muss man festhalten, dass er extrem gut verarbeitet ist und sehr gut aussieht. Die Darstellungsqualität des Displays ist kristallklar und die Reaktionszeit der Eingaben so gut wie latenzfrei. Auch die Spielerfahrung ist eine völlig andere, eine bessere, wie wir finden. Man taucht tatsächlich noch tiefer in die Spiele ein als es vorher schon der Fall war. Sollte der neue Controller dem Spielgefühl nicht förderlich sein, ist es außerdem auch immer möglich mit dem klassischen Controller oder der bewährten Wiimote der ursprünglichen Wii zu spielen. Das führt auch gleich weiter zum großen Negativpunkt des neuen Controllers: Er ist schwer. Es klingt albern, ist aber tatsächlich ein Problem. Der Controller wiegt zwar weniger als man erwarten würde, aber zu viel, um lange angenehm in der Hand zu sein. Generell allerdings ist der Controller gut designt und man findet sich schnell darauf zurecht. Negativ fielen nur die beiden sekundären L- und R-Trigger auf, die sich nicht ganz so gut bedienen ließen.

Die Spiele
NintendoLand: NintendoLand bietet einen virtuellen Nintendo-Freizeitpark. Eine witzige Idee, die jedoch auf der Konsole vorinstalliert sein sollte. Vielleicht ist das Spiel am ehesten mit dem alten Wii Sports vergleichbar, dass stundenweise Zeit auf der alten Wii vernichtet hatte. Im Singleplayer konnten wir zuerst Ninjasterne vom Controller aus Richtung Fernseher werfen – sehr intuitiv und sehr spaßig! Weiterhin mussten wir Knöpfe drehen um in einem von Donkey Kong angehauchten Szenario einen Wagen zu Prinzessin Peach zu schaffen. Hier bot NintendoLand zwar nichts wirklich neues, demonstrierte aber gut, was mit dem neuen Controller so alles möglich ist. Besonders das Zusammenspiel des Geschehens auf dem Fernsehschirm und dem Controllerdisplay war gut umgesetzt. Ein schönes Beispiel hierfür war ein Multiplayer-Spiel, in dem der Spieler mit dem neuen Controller der Protagonist ist. In dem an Luigi’s Mansion angelehnten Spiel mussten wir einen Geist spielen, der nur auf dem Controllerbildschirm sichtbar ist. Alle anderen Spieler bekamen den Geist nicht zu sehen und jagten den unsichtbaren Gegenspieler mit Taschenlampen und versuchten ihn durch das Licht zu schwächen. Obwohl das Spiel sehr unterhaltsam war, ist es unter Umständen zu speziell um die verwendete Spielmechanik für weitere Titel nutzbar zu machen. Um es zusammen zu fassen: NintendoLand ist eine schön Demo für die Einsatzmöglichkeiten des neuen Controllers und macht Spaß. Für ein Vollpreisspiel bietet es dann aber doch zu wenig.

New Super Mario Bros U: Was kann man zu New Super Mario Bros U sagen? Es macht Spaß! Es macht sogar sehr viel Spaß, besonders wenn vier Spieler zusammen spielen. Es ist ein buntes, spaßiges Chaos, das eine gelungene Fortsetzung der Serie darstellt. Auch hier gibt es aber Kritikpunkte: Zunächst muss man sagen, dass das Spiel schon für die erste Wii hätte erscheinen können. Denn: Die größte Neuerung der Wii U, der neue Controller, ist beinahe nutzlos! Wer sich noch an den berühmten zweiten Spieler in Super Mario Galaxy auf der Wii erinnert, fühlt sich hier dorthin zurückversetzt. Konnte man bei Super Mario Galaxy nur Sternteile einsammeln und musste Mario beim ganzen Spaß zusehen, kann man bei New Super Mario Bros U mit dem Tablet-Controller nur dafür sorgen, dass die Mitspieler nicht herunterfallen. Das ist zwar intuitiv und am Anfang auch noch witzig, es läuft dann aber schnell darauf hinaus, dass alle Spaß haben, nur der Spieler mit dem neuen Controllers nicht. Als zweiten Kritikpunkt müssen wir das Unvermeidbare aussprechen: Das Spiel ist seinem Vorgänger einfach zu ähnlich. Zwar haben wir bereits Videos anderer Spielteile gesehen, die scheinbar viel Neues bieten, die von uns angespielten Teile jedoch, boten leider keinerlei Überraschungsmomente.

 

Tekken: Zu Tekken auf der Wii U kann man nicht viel sagen. Es ist wie jedes andere Tekken zuvor, verfügt über ein noch größeres Arsenal an Kämpfern und bietet nichts wirklich Neues. Wir konnten leider nur ein paar Kämpfe bestreiten, dabei ergab sich aber bereits ein saftiger Kritikpunkt: Während ein Spieler mit dem klassischen Controller spielen musste, konnte sein Gegner mit dem Tablet Controller auf dessen Display die möglichen Combos anzeigen lassen und hatte somit einen gigantischen Vorteil. Ein Kampfspiel ohne Chancengleichheit erscheint uns relativ sinnfrei. Von dem was wir gesehen haben, sagen wir: Da langweiligste und am wenigsten innovative der Spiele – eine verpasste Chance.

Rayman Legends: Es gibt Spiele, die einfach so viel Spaß machen, dass jegliche Kritik an ihnen abperlt. Man liebt diese Spiele so sehr, dass man sie einfach nicht mehr objektiv bewerten kann. Rayman Legend ist so ein Spiel! Es führt den Weg von Rayman Origins weiter, ergänzt es jedoch um einen weiteren Twist bietet einfach puren, simplen, kooperativen Spielgenuss. Der Spieler mit dem Tablet kann den Controller rotieren um Räder zu drehen, Seile zu zerschneiden und viele andere Dinge zu tun. Die anderen Spieler rennen derweil durch die Level und versuchen die Ausgänge zu finden, während Gegner, wunderschöne Designs oder einfache verrückte Dinge ihre Wege kreuzen. Es ist schwer sich vor zu stellen, dass dieses Spiel auf irgendeiner anderen Konsole funktionieren kann. Der neue Controller ist so gut in die Spielmechanik eingearbeitet, dass jede unterschiedliche Rolle viel Spaß hat. Aber nicht nur das Gameplay des Spiels macht Spaß: Das Leveldesign ist abwechslungsreich und fantasievoll, der Sound ist sehr gut und die Hintergrundmusik ist einfach überragend. Wir können nur applaudieren! Wenn man Rayman Legends nicht für andere Konsolen bekommen kann, wird man sich nur hierfür eine Wii U zulegen müssen.

Zombi U: Der Trailer für Zombi U (der Gameplay-Trailer, nicht der beeindruckende filmartige Trailer) wird dem Spiel nicht gerecht. Zombi U ist ein Spiel, das man spielen muss, um es zu verstehen. Obwohl Zombi U nicht das beste Spiel ist, das wir gespielt haben (diese Ehre wird Rayman Legends zuteil), ist es doch das Spiel, das die Tür für eine glorreiche Zukunft des neuen Controllers öffnen könnte. Auf den ersten Blick mag Zombi U wie ein „normales“ Zombie Action-Adventure à la Resident Evil wirken, tatsächlich ist es aber ganz anders.  Der neue Controller fungiert mal als ein Rucksack (der Spielcharakter kniet sich dann hin, um im Rucksack nachzuschauen), mal als Zielfernrohr der Waffen mit Zoom oder auch als Tastatur, mit der man Passwörter eintippen muss, während einem die Zombiehorden auf den Fersen sind. Kurzum: Mehr Innovation bei der Einbindung des neuen Controllers geht kaum. Zusätzlich ist das ganze Spiel in einem sehr schön nachgestellten London angesiedelt und hält noch einige interessante Spielmechaniken bereit: Wenn man z.B. stirbt, verliert man den ganzen Fortschritt des eigenen Spielcharakters und wird ein neuer Spieler an einem zufälligen anderen Ort in der Stadt (es gibt hunderte Möglichkeiten). Möchte man sein Inventar wiederbekommen, muss man seinen inzwischen zum Zombie gewordenen alten Charakter wiederfinden und töten! Interessant, oder?

Ist die Wii U mein Geld wert?
Diese Frage kann wohl erst beantwortet werden, wenn einige Titel für die neue Konsole erschienen sind. Wer Party-Spiele mag oder ein Grafikupgrade für die Wii möchte, der wird bei der Wii U gut aufgehoben sein. Hardcore-Spieler werden ihren Gefallen an Rayman Legends und Zombi U finden, allerdings von den anderen Spielen eher enttäuscht sein. Die Frage ist auch, wie sich nach der Veröffentlichung am 30. November der Preis der Konsole entwickeln wird. Eventuell zahlen sich ein paar Monate Wartezeit durch eine deutliche Kostenersparnis aus. Obwohl wir positiv überrascht waren, empfehlen wir also zu warten, wie sich die Spielelage entwickelt. Wir empfehlen aber auch: Unbedingt selber ausprobieren! Es ist wirklich eine Erfahrung die Wii U zu spielen, sowohl im Guten als auch im Schlechten.

Dieser Beitrag wurde unter Games, Konsolen, Wii U, Wii U abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>